Stift Marienberg – Ein mystischer Ort zum Krafttanken

3. Juli 2015 at 5:22
Kloster Marienberg im Vinschgau, Südtirol

Ein Ort zum Krafttanken: Das Kloster Marienberg im Vinschgau, Südtirol.

Eintauchen in eine andere Welt, in sich selbst hineinfühlen, zur Ruhe kommen und Klarheit gewinnen – im Benediktinerstift Marienberg kann der Alltag losgelassen und meditativ die Gegenwart Gottes erahnt werden.

Umgeben von sattem Grün ragt auf ca. 1.350 Metern, in einer Berghangmulde oberhalb des Malser Ortsteiles Burgeis, der weiß getünchte Gebäudekomplex des Benediktinerstifts Marienberg in die Höhe. Im Oberen Vinschgau gelegen, ist das neun Fraktionen starke Mals Südtirols flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde. Das Gebiet ist von Bergen umrahmt, die Malser Heide mit ihren alten Bewässerungsgräben, den Waalen, ein Naturjuwel. Über allem „wacht“ das Kloster Marienberg, Europas höchstgelegene Benediktinerabtei.

Lange Tradition

Die Edlen von Tarasp hatten im 12. Jahrhundert die Benediktinerabtei Marienberg gestiftet. 1724 gründete die Abtei in Meran ein Humanistisches Gymnasium, dem ein Knabenkonvikt angeschlossen wurde. Die Bayerische Regierung hob 1807 Kloster und Schule auf. Neun Jahre später wurde die Abtei durch Kaiser Franz I. wiederhergestellt und das Gymnasium bis 1928 weitergeführt. Von 1946 bis 1986 gab’s schließlich in Marienberg ein fünfklassiges Privatgymnasium. Mittlerweile sind die Mönche in der Erwachsenenbildung tätig, bieten Exerzitien, Kurse, Seminare und „Tage im Kloster“.

Spirituelles auf sich wirken lassen

In die Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert führt ein romanisches Rundbogenportal. Die gotische „schöne Madonna“ im Tympanon stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das barocke Aussehen bekam die Kirche 1643 – 1648 unter Abt Jakob Grafinger, die Stuckarbeiten sind im Renaissancestil gehalten. Eucharistiefeiern finden an Werktagen um 7.15 Uhr statt, an Sonn- und Feiertagen um 6.30 und 10.30 Uhr sowie eine Vesper um 15 Uhr.

Der „verborgene Raum“, die Krypta, diente als erster Gottesraum für das Chorgebet sowie die Hl. Messfeier. 1980 wurden die Grufteinbauten entfernt und gaben verdeckte Fresken frei, die für romanisches Kunstschaffen im Alpenraum zeugen. Sogar Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI, besuchte im August 1992 die Abtei Marienberg und ließ den spirituellen Ausdruck der Fresken auf sich wirken. Die Krypta lädt Juni bis Oktober täglich (Einlass 17.30 Uhr) zum Abendgebet, der Vesper.

Im ehemaligen Wirtschaftstrakt, dem jetzigen, rollstuhlgerechten „Abt Hermann Haus“, ist u. a. das Museum untergebracht. Durch einen Film, Kunstwerke, Texte und Gegenstände werden Klosteralltag und wichtige Begebenheiten nahegebracht. Eine Sonderausstellung zeigt die Entwicklung rund um die klösterliche Tafel. „Res Personalis“ – in einer weiteren Sonderausstellung erzählen persönliche Objekte von den Menschen in und ums Kloster. Öffnungszeiten Museum und Shop: 15. März bis 31. Oktober sowie 27. Dezember bis 5. Jänner, jeweils Montag bis Samstag (außer Feiertagen) 10 – 17 Uhr.

Foto: Campomalo / pixelio.de